Polemisch – Populistisch - Problematisch

Eine Analyse des Vortrags Prof. Röder - Teil 1



Der Holzmarkt

Quelle:
Quelle: http://www.lwf.bayern.de/forsttechnik-holz/holzmarkt/072125/index.php

Prof. Röder zur Verfügbarkeit von Holz in Bayern:

„Ein Verzicht auf die Holznutzung in Bayern führt zu mehr Holzimporten z.B. aus Osteuropa, wo geringere Umweltstandards gelten.“ ( … ) „Wir exportieren unsere Probleme.“ ( … ) „Wir haben zu wenig Holz in Bayern.“ ( … ) „Wir haben einen Mangel an Rohholz.“ ( … ) „Wir haben kein Überangebot an Rohholz.“

Um seine Behauptungen zu stützen, zeigt Prof. Röder in seinem Vortrag eine ähnliche Grafik wie die Darstellung rechts des Außenhandels mit Rohholz, die von der LWF erstellt wurde. Doch Röders pauschale Behauptungen, in Bayern gäbe es einen Holzmangel sind falsch. Bayern hat 2016 rund 250.000 Festmeter Laubholz exportiert. Allerdings und wohl nicht ohne Grund vermeidet es Prof. Röder im gesamten Vortrag, auf die holzmarktspezifischen Unterschiede zwischen Laubholz und Nadelholz hinzuweisen. Die LWF selbst kommentiert die Grafik rechts wie folgt: „Der Außenhandel mit Rundholz wird vom Nadelholz geprägt, weil die weitaus größten Holzmengen beim Nadelrundholz gehandelt werden." Und weiter: „Beim Laubrundholz (siehe Grafik unten.) ist das Bild jedoch ganz anders. Es werden wesentlich kleinere Mengen gehandelt. Während der Import von Laubrundholz relativ konstant zwischen 50.000 und 100.000 Fm schwankt, stiegen die Exporte seit 2011 deutlich an. Bayern ist beim Laubrundholz ein Nettoexporteur.“

Quelle:
Quelle: http://www.lwf.bayern.de/forsttechnik-holz/holzmarkt/072125/index.php

Außerdem importiert Bayern keine nennenswerten Holzmengen aus z.B. Russland, wie Prof. mehrfach behauptet. Auch dies geht aus einer Statistik der LWF deutlich hervor. „Bei den Importen von Nadelrundholz ist seit 2006 ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Wichtigster Handelspartner ist hierbei die Tschechische Republik. Die Nadelrundholzimporte aus Österreich stiegen bis 2011, um dann in der Folge wieder zu sinken. Aus andern Ländern wurden nur geringe Mengen importiert.“
(Quelle: http://www.lwf.bayern.de/forsttechnik-holz/holzmarkt/072125/index.php)

Prof. Röder zu den Möglichkeiten, das Holz der Nationalparkfläche aus anderen Quellen zu ersetzen:

„So schnell können wir unser Holzaufkommen nicht steigern, wie dieser Einschlagstopp greifen wird.“ ( … ) „Ich weiß nicht, wie wir hier innerhalb von vier Wochen 70.000 FM mobilisieren wollen.“ ( … ) „Eine Kompensation des fehlenden Holzaufkommens aus dem Klein(st)privatwald erscheint fraglich.“ ( … ) „Ist es Wunschdenken der Ministerin, aus dem Kleinstprivatwald zu generieren, wenn wir das schon seit 50 Jahren probieren?“ ( … ) „Wenn wir den Staatswald stilllegen, kommt der WBV-Förster: „Du musst jetzt doppelt so viel einschlagen.““

Prof. Röder erzeugt gezielt den Eindruck, im Falle der Ausweisung eines Nationalparks müsse die fehlende Holzmenge aus dem Kleinprivatwald bereitgestellt werden. Prof. Röder scheut dabei nicht davor zurück, von einer erforderlichen Verdoppelung des Einschlages zu sprechen. Mit Hilfe einer Grafik verdeutlicht Prof. Röder den geringen Organisationsgrad des Kleinprivatwaldes (bis 1ha Waldbesitz 10% Organisationsgrad, bis 5 ha Waldbesitz 50% Organisationsgrad)
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Randbemerkung:
In der, an den Vortrag folgenden Diskussion ergreift Wolfram Vorndran (Sägewerk Philipp Vorndran) das Wort und sagt sinngemäß: „Das Holz des Kleinprivatwaldes ist für uns als Sägewerk uninteressant, weil es nicht die geforderte Qualität hat.“

Auch wenn es in der von Prof. Röder gezeigten Grafik unübersehbar ist, und er selbst auch noch auf den hohen Organisationsgrad des Waldbesitzes zwischen 5 und 1.000 Hektar Waldbesitz hinweist, unterlässt er es, das Holzpotential des, vor allem in Unterfranken überdurchschnittlich stark vertretenen Kommunalwaldes hinzuweisen.

Die Kommunalwälder nehmen - sofern sie nicht selbst am Holzmarkt aktiv sind - über ihre Mitgliedschaft in den Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) am Holzmarkt teil. Die Dachorganisation der Forstbetriebsgemeinschaften ist die Forstwirtschaftliche Vereinigung Unterfranken e.V. (FVU). Und auf deren Internetseite ist zu lesen:

„In diesen FBGen sind derzeit 175.000 ha bzw. 81% der Privat- und Kommunalwaldflächen Unterfrankens organisiert.“


Um die Holzmenge von lediglich 70.000 fm (bzw. 0,5% des jährlichen bayerischen Holzeinschlages) der potentiellen Nationalparkfläche zu ersetzen, müsste also rein rechnerisch

  • in den in den unterfränkischen Forstbetriebsgemeinschaften organisierten Privat- und Körperschaftswäldern mit einer Fläche von ca. 175.000 Hektar die Holzproduktion um lediglich rund 0,4 Festmeter je Hektar und Jahr erhöht werden.
  • in allen unterfränkischen Wäldern (also auch Staatswald) mit einer Fläche von ca. 360.000 Hektar die Holzproduktion um lediglich rund 0,2 Festmeter je Hektar und Jahr erhöht werden.
  • im gesamten bayerischen Staatswald mit einer Fläche von ca. 770.000 Hektar die Holzproduktion um lediglich rund 0,1 Festmeter je Hektar und Jahr erhöht werden.
  • in allen bayerischen Wäldern mit einer Fläche von ca. 2,6 Mio. Hektar die Holzproduktion um lediglich rund 0,03 Festmeter je Hektar und Jahr erhöht werden.

(Quelle Waldflächen: http://www.bundeswaldinventur.bayern.de/080816/index.php)



Randbemerkung:
Wenn der Freistaat Bayern auf den ausschließlich ihm gehörenden Flächen eines zukünftigen Nationalparks Rhön auf den Einschlag von ca. 70.000 Fm Holz verzichtet, kann diese Holzmenge dann vor allem durch die großen Kommunalwälder Unterfrankens bereitgestellt werden. Das Originelle daran: Verkauft der Freistaat das Holz, wandern die Erlöse in den allgemeinen Staatshaushalt. Verkauft eine Kommune das Holz, verbleiben die Erlöse in der Gemeindekasse.

Prof. Röder und die Vertreter der Forstbetriebsgemeinschaft Fränkische Rhön und Grabfeld w. V. unterlassen es, die Zuhörer auf die enormen Holzreserven gerade im unterfränkischen Kommunalwald hinzuweisen.

Randbemerkung:
Der gerade in Unterfranken stark vertretene Kommunalwald beliefert natürlich auch jetzt schon die Sägewerke der Region. Es ist daher unrealistisch, zu unterstellen, die Sägewerke der Region hingen zu 100% von den Holzmengen der Bayerischen Staatsforsten ab.


Randbemerkung:
Es bleibt das Geheimnis von Prof. Röder, warum die Firma UPM sich mit dem Gedanken trägt, in Frankfurt Höchst ein neues Werk zu errichten (Prof. Röder: „… mehrere 100.000 Fm Holzbedarf jährlich“), wenn doch in der Region, ja in ganz Bayern überhaupt keine Holzreserven vorhanden sein sollen. Röder: „Wir haben einen Mangel an Rohholz.“

Holzbau

Prof. Röder: „Mit einer Holzbauquote von 100% wäre Bayern im Jahr 2026 Co2 neutral“

Mit dieser lediglich hochgerechneten Zahl überhöht Prof. Röder auf unakzeptable Weise die Klimaschutzfunktion des Werkstoffs Holz. Wie absurd die Annahme einer Holzbauoute von 100% ist wird klar, wenn man weiß, dass die aktuelle Holzbauquote bei 20% liegt. Prof. Röder argumentiert also mit einem Szenario, dass eine Verfünffachung der momentanen benötigten Bauholzmenge zur Folge hätte. Da im Hausbau aber weit überwiegend Nadelholz zum Einsatz kommt, würde dies erstens die Importquote von Nadelholz erhöhen (genau diesen Import, der von Prof. Röder im Zusammenhang mit dem Nationalpark Rhön kritisiert wurde) und hätte zweitens überhaupt nichts mit den Laubholzmengen des Nationalparks zu tun.

Arbeitsplätze

Prof. Röder zum angeblichen Verlust von Arbeitsplätzen durch eine Nationalparkausweisung.

„Die Stilllegung von 10.000 Hektar Wald gefährdet 545 Arbeitsplätze.“ ( … ) „Wenn Sie hier ein Stück rauszwicken (aus der Wertschöpfungskette Anm.), wackelt die ganze Kette.“ ( … ) „Das wird ganz speziell diesen Landkreis treffen.“ (Bad Kissingen, Anm.) ( … ) „Der Landrat ist da anderer Meinung.“ ( … ) „Wenn Sie hier 10.000 Hektar stilllegen, dann hat das einen nennenswerten Einfluss.“ ( … ) „Diese 545 Arbeitsplätze gefährden Sie, wenn Sie diese Menge (70.000 Fm. Anm.) aus dem Markt nehmen. Und diese gefährden Sie sofort.“

Doch damit nicht genug. Prof. Röder rechnet auf das Jahr 2050 hoch und sagt:
„Dann rechnen wir mit über 1000 Beschäftigten, die wir dann nicht mehr haben, weil wir das Holz nicht mehr haben von diesen 10.000 Hektar.“

Mit Hinweis auf die Investitionspläne der Firma UPM in Frankfurt /Höchst sagt Prof. Röder:
„Wenn Sie heute beschließen hier 10.000 Hektar rauszunehmen … dann gibt´s halt keine neuen 700 Arbeitsplätze in Höchst.“

Auf einer Folie erklärt Prof. Röder:
„Eine Stilllegung der Waldflächen im Zielgebiet der Rhön führt kurzfristig zu einem Verlust nachhaltiger Wertschöpfung und qualifizierter Arbeitsplätze.“ Und mündlich: „Es ist nicht nur das Holz, die ganze Kette wackelt.“
„Die Waldarbeiter im Staatswald dürfen sich einen neuen Job suchen.“
(Anm. d. R.: wenn die Flächen Nationalpark werden)

Dies mag als Aufzählung von Beschreibungen des immer gleichen Sachverhaltes reichen. Richtig wird die Argumentation dadurch nicht. Gezielt schürt Prof. Röder die Angst vor dem Verlust von Arbeitsplätzen in der holzverarbeitenden Industrie – auch von solchen, die es noch gar nicht gibt. Als Beispiel führt er die Firma UPM an, die plant, unweit von Frankfurt ein neues Werk zu errichten. Der Kern der Röderschen Argumentation ist die Unterstellung, mit dem Holz, das auf den Nationalparkflächen nicht mehr eingeschlagen werden würde, bräche die gesamte Wertschöpfungskette zusammen. Nach Prof. Röder verliert also nicht nur der Waldarbeiter seine Arbeit, sondern auch der Zimmermann, der aus dem Holz einen Dachstuhl baut.

Um zu verstehen, wie wenig die Gedankengänge von Prof. Röder mit der Realität zu tun haben, soll folgendes Beispiel helfen:

In dem Ort, in dem Sie wohnen, gibt es zwei Bäcker. Derjenige, bei dem Sie schon immer ihr Brot gekauft haben, gibt seinen Betrieb auf. Stellt sich nun die Frage: Verhungern Sie oder gehen Sie zu dem anderen Bäcker, der weiterhin Brot verkauft?

Natürlich werden Sie von nun an Ihr Brot bei einem anderen Bäcker kaufen, genauso, wie ein Sägewerk seinen Holzbedarf aus einer anderen Quelle decken wird. Und weil das so ist, ist es völlig absurd und abwegig, den Eindruck zu erwecken, mit einem Nationalpark würde die gesamte Wertschöpfungskette reißen und hunderte Arbeitsplätze verlorengehen.

Ein Nationalpark gefährdet keine Arbeitsplätze! Nicht in der Forstverwaltung, nicht bei den Forstunternehmen und auch nicht in der Holzverarbeitenden Industrie! Die Begründung ist simpel - durch einen Nationalpark verringert sich ja nicht der Holzbedarf. Der Holzbedarf wird nun aber in dem Maße, wie die Nationalparkflächen nicht mehr zur Holznutzung herangezogen werden können, aus anderen Quellen gedeckt. Anstelle von Forstbetrieb A liefert nun Forstbetrieb B, statt aus dem Staatswald kommt das Holz aus dem Kommunalwald. Die eigentliche Wertschöpfungskette wird zu keiner Zeit unterbrochen. Somit gehen alle von Prof. Röder aufgestellten Horrorszenarien von Arbeitsplatzverlusten ins Leere. Die von Prof. Röder angestellte, rein mathematische Umlegung der im Bereich Forst/Holz/Papier beschäftigten Arbeitnehmer auf die potentielle Nationalparkfläche von 10.000 Hektar ist fern jeder Realität. Es ist daher schlicht und ergreifend gelogen, zu behaupten, die Stilllegung einer Fläche von 10.000 Hektar würde den Verlust von 545 Arbeitsplätzen bedeuten.

Prof. Röder beschwert sich in seinem Vortrag mehrfach über die Tatsache, dass sein Gutachten vom Umweltministerium nicht zur Kenntnis genommen wird. Hat man diese Auswertung des Röder-Vortrags gelesen, wundert man sich darüber sicherlich nicht mehr.


Das Beste hob sich Prof. Röder bis zum Schluss auf:

Röder: „Die Waldarbeiter im Staatswald dürfen sich einen neuen Job suchen.“ Und weiter: „Es sind ja ehrliche Arbeitsplätze, die hier verlorengehen. Was sind dagegen die paar Arbeitsplätze, die in der Nationalparkverwaltung entstehen.“

Wir halten fest: Es gibt also „ehrliche“ Arbeit und Arbeit, die abgabenfinanziert ist. Konsequenterweise dann wohl als „unehrliche“ Arbeit zu bezeichnen wäre wie z.B. die Arbeit von Polizisten, Lehrern, Ärzten, Busfahrern, (anwesenden) Landtagsabgeordneten und – Achtung –
Professoren.


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