Jetzt auch noch die FDP

Die FDP hat in ihrem letzten Stammtisch das Thema „Nationalpark Rhön“ aufgegriffen. Die in der Pressemitteilung veröffentlichen Aussagen und Stellungnahmen von FDP-Politikern und einzelner Stammtischbesucher zum Nationalpark Rhön enthalten eine solche Menge an Unwahrheiten und Falschaussagen, dass im Sinne einer Versachlichung der Debatte dringend eine Gegendarstellung für das Wohl unserer Region geboten ist.

Auf dem Fachsymposium in Bad Kissingen wurde von Vertretern der Bundesspitze von BUND, WWF, LBV und der Regierung von Unterfranken (Höhere Naturschutzbehörde und Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön) die herausragende Eignung der Rhön in einem länderübergreifenden Kontext vorgestellt. Die FDP kennt offenbar auch Veröffentlichungen des BayStMUV nicht in der die Anzahl der Arbeitsplätze in einem Nationalpark (bezogen auf die gleiche Waldbodenfläche) im Vergleich zur Bewirtschaftung mit Personal der Bayerischen Staatsforsten um mehr als 300% angestiegen ist. In keinem Fall musste auch nur ein privates Sägewerk, Holzrücker oder anderweitiges holzverarbeitendes Unternehmen wegen eines Nationalparks schließen. Die komplette Holzversorgung im Umfeld eines Nationalparks, auch die Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz, wird staatlich per Verordnung garantiert. Deshalb wird es im Bereich der holzverarbeitenden Industrie zu keinen Verlusten an Arbeitsplätzen durch die Ausweisung eines Nationalparks kommen. Die Behauptung, 84% der Holzmenge gingen dem Wirtschaftskreislauf verloren, ist daher falsch.

Ein Nationalpark wird von der Regierung und vom Ministerium mit Recht als der „größte wirtschaftsökologische Motor“ in ganz Bayern bezeichnet. Ein Nationalpark ist zusätzlich eine unschätzbare Bildungsinitiative für alle Schulen und Kindergärten in der gesamten Region. Ein Nationalpark verfügt über einen jährlich gesicherten, eigenen Haushaltstitel von 10. Mio. Euro, der in die Region fließt. Zu den jährlichen Investitionen kommen erhebliche Bau-und Strukturinvestitionen im mehrstelligen Millionenbereich (siehe NP Berchtesgaden).

Alleine bezogen auf den direkten Nationalparktourismus wird in den beiden bayerischen Nationalparkgebieten ein Netto-Umsatz von rund 68 Mio. Euro/Jahr erwirtschaftet. Die Arbeitsplätze, die sich daraus entwickelt haben, sich schon lange wissenschaftlich erfasst. Die Akademie für Umweltforschung und -bildung in Europa schreibt in einer Studie zu dem Thema Nationalparke als Wirtschaftsfaktor für eine nachhaltige Entwicklung schon im Jahre 2003:

„Durch die Institution Nationalpark können bestehen Beschäftigungsbereiche mit direkter Verbindung zum Nationalpark (touristisch relevante Bereiche wie Gastgewerbe und Transportunternehmen), im Landkreis des Nationalparks Bayerischer Wald mit 6.000 Arbeitsplätzen beziffert werden.“


Die FDP behaupte weiterhin, der Bestseller-Autor Peter Wohlleben spricht von einem Abbau von 1.700 Arbeitsplätzen in einem 10.000 Hektar Nationalpark. Wir haben Peter Wohlleben über diese in seinem Namen getroffene Aussage informiert, die Antwort kam umgehend. Herr Wohlleben wird sich bei der Redaktion der Mainpost persönlich melden. Er ist ein Verfechter und Bewunderer natürlicher Prozesse, die er in seinen Büchern beschreibt. Er bewirtschaftet seinen Kommunalwald nur noch zu einem Drittel, lässt keine Holzerntemaschine mehr in den Wald, die den Waldboden auf Jahrzehnte schädigen und gründete eine eigene Akademie für die Ausbildung einer gänzlich anderen Forstwirtschaftslehre. Seine Bucherfolge zeigen doch, wie sehr die gesamte Bevölkerung an das geheimnisvolle Leben im Wald interessiert ist, in dem nicht die bisherige Forstwirtschaftslehre herrscht.

Auch wird behauptet, mehr als 50% der Nationalparkkulisse seien Offenland. Damit gäbe es dann auch „… kein Land der offenen Ferne mehr.“ Es ist nichts weniger als ein politischer Skandal, wenn eine Politikerin der FDP in der Öffentlichkeit unterstellt, durch die Ausweisung eines Nationalparks würde die Rhön zuwachsen. Das Gegenteil ist der Fall. Erst durch die Ausweisung eines Nationalparks besteht durch die Rechtsverordnung die Möglichkeit, für die Pflege und Erhaltung besonders geschützter Offenlandflächen auf Dauer Gelder zu sichern. Bisher ist das von Kulturlandschafts- und Naturschutzprogrammen abhängig, die stets nur auf wenige Jahre begrenzt sind.

Deshalb hat das Bündnis Nationalpark Rhön auch im ersten Antrag an die Umweltministerin einen Nationalpark mit integriertem Offenlandkonzept gefordert. Gerade weil ein Nationalpark die charakteristischen Offenflächen der Rhön per Rechtsverordnung auf Dauer sichern wird, hat sich auch der Hauptvorstand des Rhönklubs länderübergreifend und einstimmig für einen Nationalpark Rhön ausgesprochen. Es lohnt sich daher auch für Frau Zimmermann, die Nationalpark-Rechtsverordnungen zum Beispiel von Berchtesgaden oder den österreichischen Kalkalpen zu lesen, in denen die Offenlandteile als Kulturlandschaftsbestandteile alle besonders geschützt und gesichert sind.

Selbstverständlich hält das Umweltministerium dabei in einem Kulissenvorschlag die IUCN- Kriterien ein. Wir gehören zu den waldreichsten Landkreisen in Bayern. Die Rhön ist eine Natur- und Kulturlandschaft, die am besten durch ein Biosphärenreservat in Kombination mit einem Nationalpark staatlich gefördert, entwickelt und auch geschützt wird. Es mag Frau Zimmermann entgangen sein, aber es gab auf dem Kissinger Fachsymposium im Dezember die ausdrückliche Zusage der Regierung von Unterfranken, dass es für einen möglichen länderübergreifenden Nationalpark Rhön ein „maßgeschneidertes Konzept“, angepasst an die Region geben wird.

Völlig falsch ist auch die Behauptung eines Landwirts, dass das Biosphärenreservat ihn in seinem Handeln einschränkt und nur auf fünf Jahre begrenzte Genehmigungen zur Freihaltung der Landschaft erteilt. Richtig ist, dass das Biosphärenreservat hier keinerlei Rechtscharakter hat und somit die Landwirte in ihren Planungen und Entscheidungen gar nicht einschränken oder gar bevormunden kann. Ein Biosphärenreservat hat – abgesehen von den lediglich 3% Kernzonen - eine reine Empfehlungsfunktion. Einschränkende Regelungen ergeben sich nur aus Programmen der Landschaftspflege, an denen sich Landwirte freiwillig beteiligen können und dafür gesondert für jede Maßnahme Geld erhalten. Hier wird eines deutlich: Erklärtes Ziel der Nationalparkgegner und offenbar auch der FDP ist es, Biosphärenreservat und Nationalpark gegeneinander auszuspielen.

Wie unsachlich die Diskussion in weiten Teilen geführt sein worden muss macht auch diese Aussage deutlicht: „Die Nationalparkverwaltung unterstehe keinem Ministerium und könne nach eigenen Kriterien entscheiden.“ Kaum eine andere Aussage zeigt offensichtlicher, wie wenig die Vertreter der FDP mit der Materie vertraut sind und sich trotzdem zum Thema äußern. Natürlich kann eine Nationalparkverwaltung nicht nach eigenen Kriterien entscheiden. Von den Gremien der Mitbestimmung in einem Nationalpark einmal abgesehen, untersteht die Nationalparkverwaltung direkt dem Ministerium und ist gegenüber dem zuständigen Fachminister weisungsgebunden!

Die Rhön ist Bäderland. Möglicherweise wird es in der FDP für Erstaunen sorgen, aber wenn eine Stadt wie Baden-Baden eigene Waldflächen für einen Nationalpark zur Verfügung stellt, muss doch an dieser verflixten Nationalparkidee etwas dran sein. Die Menschen wollen dort Erholung finden, wo die Natur Natur sein darf. Umfragen belegen, 90% der Deutschen wünschen sich mehr Wildnis. Erholung findet dort statt, wo Bäume alt werden können, nicht dort wo Bäume gefällt werden. Es dürfte auch für die FDP von Interesse sein, dass der „Seelenwald“ bei Bad Kissingen schon jetzt ein Erfolg ist und auch der Kurverein Bad Bocklet sich den Nationalpark zur Unterstützung der Pläne für einen Kurwald wünscht. Ein Besuch der Kurstadt Baden-Baden zwecks Information zum Thema „Wirtschaft & Nationalpark“ wäre den Vertretern der FDP an Herz zu legen.

Als höchst populistische Äußerung im Sinne der Jagdlobby muss die Aussage gewertet werden, es sei fraglich, ob die Jagd auf Wildschweine in einem Nationalpark noch möglich sei. Einmal davon abgesehen, dass es im Moment ganz andere, wichtigere Aspekte in Bezug auf die Bejagung des Schwarzwilde gibt, ist die Aussage falsch und dient lediglich der Stimmungsmache. Ein einfacher Blick in die beiden bestehende Nationalparke in Bayern hätte geholfen. Dort wird die Jagd höchst professionell und höchst erfolgreich von erfahrenen Berufsjägern gemeinsam mit der privaten Jägerschaft über Jahre bewährt organisiert.

Da gibt es auch noch den Begriff „Wildtiermanagement“, welcher auch in den bestehenden Kernzonen des Biosphärenreservates jagdlich umgesetzt wird, aber darüber weis man an diesem Stammtisch natürlich nichts, weil niemand anwesend war, der sich fachlich und sachlich in irgendeiner Art und Weise zu den genannten Themen hätte äußern können.


Das Bündnis Nationalpark Rhön fordert die Vertreter der FDP auf, alle falschen Äußerungen öffentlich zu korrigieren und zurückzunehmen. Alle aufgestellten Behauptungen sind bereits seit Monaten durch das Schreiben des Ministeriums (20 Seiten auf der Homepage des Landratsamtes!) an die Landräte wiederlegt worden. Diese Schreiben ging auch allen Kreisräten zu. Und auch die Antwort von Peter Wohlleben auf die FDP-Interpretation seiner Bücher werden Sie bald hoffentlich lesen.

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