Das Märchen vom Holzmangel

Wenn es darum geht, das Vorhaben „Nationalpark Rhön“ zu diskreditieren, nehmen es die Nationalparkgegner mit der Wahrheit zuweilen nicht ganz so genau. Eines ihrer Lieblingsthemen dabei ist die angeblich hereinbrechende Holznot, wenn auf den Nationalparkflächen kein Holz mehr eingeschlagen wird. Nicht nur, dass die Sägewerke der Region zusperren müssen, das viele fehlende Rhöner Holz muss auch noch aus anderen Ländern importiert werden. Natürlich nur aus solchen, in denen der Wald auf riesigen Kahlschlägen abgeholzt wird.

Um es kurz zu machen – nichts davon stimmt. Und das sagen nicht wir, sondern die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).
Die LWF erhebt jährliche Zahlen zu Außenhandel mit Rundholz, und diese Zahlen passen irgendwie so gar nicht zu den „Argumenten“ der Nationalparkgegner.


1. Der Saldo:
Unter dem Strich hat Bayern 2016 ca. 600.000 Festmeter Holz mehr importiert als exportiert. Ups! Haben die Nationalparkgegner etwa doch Recht? Nein, natürlich nicht, denn es gibt da feine Unterschiede (obwohl, eigentlich sind es schon offensichtliche Unterschiede). Es gibt nämlich Laubholz und es gibt Nadelholz.
Die Rhön ist – wie nahezu ganz Unterfranken – Laubwaldgebiet. Genau deshalb soll ja auch in der Rhön ein Nationalpark entstehen, weil es um den Schutz von Buchenwaldgesellschaften geht.


Quelle:
Quelle: http://www.lwf.bayern.de/forsttechnik-holz/holzmarkt/072125/index.php

2. Das Laubholz:
Hierzu schreibt die LWF irgendwie völlig unmissverständlich: „Während der Import von Laubrundholz relativ konstant zwischen 50.000 und 100.000 Fm schwankt, stiegen die Exporte seit 2011 deutlich an. Bayern ist beim Laubrundholz ein Nettoexporteur.“ Und um diese Aussage mit einer Zahl zu untermauern: Bayern hat 2016 fast 250.000 Festmeter Laubholz exportiert.
Und um die Verhältnisse endgültig zurechtzurücken: Wenn auf den denkbaren 10.000 Hektar Nationalparkfläche kein Holz mehr eingeschlagen werden würde, handelte es sich dabei um eine Menge von 60.000 bis 70.000 Festmetern. Das ist also lediglich rund ein Viertel der Laubholzmenge, die derzeit exportiert wird. Man braucht schon eine gewisse Phantasie (die offenbar nur die Nationalparkgegner haben), um aus diesen Zahlen steigende Holzimporte abzuleiten, wenn es denn einen Nationalpark Rhön gibt.


3. Das Nadelholz:
Der Vollständigkeit soll auch das Nadelholz betrachtet werden. Bayern importierte 2016 rund 2 Mio. Festmeter Nadelrundholz, gleichzeitig wurden rund 1,2 Mio. Festmeter Nadelholz exportiert. Im Saldo hat Bayern also ca. 800.000 Festmeter Nadelholz importiert. Beim Nadelholz ist Bayern also – anders als beim Laubholz - Nettoimporteur. Daran wird aber ein Nationalpark in der Rhön nichts ändern, denn warum sollte eine in der Rhön nicht gefällte Buche zu einem zusätzlichen Import einer Fichte führen? Eine Frage, die die Nationalparkgegner schon irgendwann einmal noch beantworten müssten.


4. Die Frage nach dem „Woher“
Wann immer die Nationalparkgegner die „Holznotkarte“ spielen, wird auch gerne darauf hingewiesen, dass die zusätzlichen Holzimporte (deren Notwendigkeit, wie ja inzwischen klar sein dürfte, gar nicht gegeben ist) aus Ländern kommen, die es bei der nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Wälder nicht ganz so genau nehmen. Anders ausgedrückt, ein Nationalpark Rhön führt zur Abholzung von Wäldern in Polen oder Weißrussland. Dumm ist nur, dass die LWF gar keine Importe solcher Ländern aufführt. Als Länder, aus denen Bayern Nadelholz importiert, werden Österreich, Frankreich, Italien und die Tschechische Republik genannt.


5. Noch mal ganz kurz:
Die Nationalparkgegner sind auf dem Holzweg, wenn sie behaupten, ein Nationalpark Rhön würde zu zusätzlichen Importen von Rundholz aus fragwürdigen, osteuropäischen Quellen führen.

Richtig ist: Bayern exportiert schon jetzt riesige Mengen an Laubholz, die in Bayern selbst nicht verarbeitet werden.
Bayern importiert Nadelholz. Dessen Menge ist aber völlig unabhängig vom Laubholzeinschlag.
Die Menge von 60.000 Festmetern Holz, welche auf der Fläche eines Nationalparks nicht eingeschlagen werden würde, ist im Vergleich zum gesamten jährlichen Holzeinschlag in Bayern von ca. 15 Mio. Festmetern minimal – nämlich nicht einmal 0,5%. Mit dieser Menge bringt man keinen Holzmarkt aus dem Gleichgewicht.


6. Quelle:
http://www.lwf.bayern.de/forsttechnik-holz/holzmarkt/072125/index.php

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